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Auf fast den Tag genau, nach 3 Monaten in La Rochelle, hissen wir die Segel und verlassen am 02. August 2009, um 06.00 Uhr morgens den Hafen. Das Abenteuer kann beginnen!
Am Freitag gab’s einen Abschiedsapéro mit der Equipe von Uchimata, unserem Bootsausrüster und einigen neuen
Bekannten. Jaques und Mariam, die eine Nautitech 40 gekauft haben und die gleiche Reise wie wir vorhaben. Jean Lou und Denis, die uns auf der ersten Etappe begleiten. Leider hatten Christian und
Dominique von der Capalouest schon am Vortag abgelegt und konnten nicht mitfeiern. Mit den Beiden haben wir einige schöne und interessante Stunden verbracht. Mit Dominique hat Heidi eine gute
Partnerin für die Soldes (Ausverkauf) in La Rochelle gefunden. Hoffentlich sehen wir Beide irgendwo wieder.
nuwam 2 musste auch noch mal das Wasser verlassen und bekam neue Propeller. Die alten haben einige Male nicht funktioniert. Natürlich wurde mit dem Auswechseln bis auf den letzten Tag gewartet,
da Nautitech das Problem bei den ersten beiden Malen nicht so ernst nahm.
Den ersten Tag und die erste Nacht ging es mehr oder weniger nur unter Motor voran. Zu wenig Wind und so wie so aus der falschen Richtung. Es wurden Wachen von 4 Stunden eingeteilt, immer zu Zweit. Am 2 Tag bekamen wir einen super Wind (12-20 Knoten) von hinten. Der Spi, unser neuer Parasailor, wurde gehisst. Jean Lou, unser begleitender Skipper, hatte uns vorher einen grossen Vortrag gehalten, dass ein Katamaran unter Spi und mit Rückenwind nicht segelt. Der Parasailor wurde installiert und musste erst mal richtig reguliert werden. Jean Lou sagte mit einem Blick auf das Segel zu Denis „das funktioniert nie“ und ging desinteressiert in die Kabine. Nach einem Tag und einer Nacht hing der Parasailor noch immer oben und wir surften mit Rückenwind bei 160° mit bis zu 11 Knoten stresslos und komfortabel mit unserem „Floss“ (wie Ueli unser Schweizer Kollegen das Boot tituliert hat) wie auf Schienen dahin. Das Geld für dieses Segel hat sich in der Tat gelohnt und wir können Bobby Schenk (bekannter deutscher Segler) nur Recht geben, nie mehr ohne Parasailor! Und siehe da, auch Jean Lu war überzeugt und revidierte seine Meinung komplett.
Am 3 Tag am Nachmittag begrüsste uns der Leuchtturm „Herkules“ von La Coruna. Herkules ist der älteste Leuchtturm der Welt, der noch in Betrieb ist. Das Hafenpersonal ist hier besonders
hilfreich und man höre und staune, sogar das Trinkgeld wurde mit der Bemerkung ablehnte „das ist unser Job“. So viel Höflichkeit hat uns fast einen Kulturschock versetzt, das waren wir ja
gar nicht mehr gewohnt. Abends ging es in die sehr pittoreske Altstadt. Viele kleine Spunten laden zu Tapas ein und die Spanier geniessen das Nachtleben und wir natürlich auch.
Mittwoch Nachmittag ging’s dann weiter. Jetzt wurde das berühmt berüchtigte Cap Finisterre am Ende des Golfs
de Gascogne (Biskaya) in Angriff genommen. Mit angenehmen 4 Windstärken, nur unter Fock, segelten wir bis nach Portugal und erreichten am Donnerstag Nachmittag den Hafen von Leixoes, ca. 10 km
vor Porto. Hier verlassen uns Jan Lou und Denis am Freitagmorgen.
Ab jetzt sind wir alleine - eine neue Herausforderung beginnt! Vormittag wird klar Schiff gemacht, dass heisst putzten, waschen etc. Nachmittags wird mit der Metro Porto erobert. Nach einer ¾
Stunde erreichen wir die Altstadt von Porto und laufen bis zum Flussufer der Duro. Hier stehen die berühmten Portweinkellereien. Früher wurde der Porto von hier aus in Fässern auf Segelschiffe
verladen und in alle Welt geliefert. Die Stadt hat uns vollkommen begeistert, mit den alten verwinkelten Gassen, der riesigen, mit 2 Etagen, von Eifel konstruierten Stahlbrücke, die den Duro
überspannt. Die alten Häuser, mitten in die Felswände gebaut, verleihen der Stadt ein faszinierendes Flair. Diese Stadt muss man einfach gesehen haben. Gänsehaut pur!
Samstag, 08. August 2009, 16.00 Uhr hiess es ablegen und den ersten Segeltörn alleine antreten. Der Wetterbericht meldete 17 Knoten Wind und 2 Meter Wellen, also gut für uns. Nach 2 Stunden ging
es zur Sache. Der Wind legte zu, erst mal gute 20 Knoten. 1 Reff im Großsegel. Lange hielt das aber nicht an, weiter mit 25-30 Knoten Wind und Wellen, wie kann man die schätzen. Monster, die
hinter uns angerollt kommen und nuwam 2 hoch auf die Wellenberge treibt, um dann wieder schnell mit den Bugspitzen hinab zu tauchen. Wir haben nur noch ein kleines gerefftes Fock drauf, laufen
trotzdem noch immer 7-8 Knoten und surfen die Wellenberge ab.
Morgens um 09.00 Uhr erreichen wir Peniché, ankern in der Bucht und fallen erst mal todmüde in die Koje. Mit dem starken portugiesischen Nordostpassatwind war das ein harter Test. Nur die
Delfinschulen, die uns öfters begleiteten und mit nuwam 2 zu spielen schienen, lockerten die Spannung immer wieder auf.
Hier in Peniché müssen wir auf unseren Epirb (Satelitennotfunkboje) warten. Der kam zu spät in La Rochelle an
und wird uns jetzt hierher nachgeschickt.
Am Mittwoch 12. August konnten wir den Epirp auf der Kapitänerie abholen. Eigentlich hatten wir vor noch bis Samstag hier zu bleiben und am Sonntag nach Cascais weiter zu segeln. Aber, wie sagt
man so schön, meisstens kommt es Anders als man denkt. So auch bei uns! Am Donnerstag als wir von einem kleinen Ausflug zu den vorgelagerten Inseln zurück kamen, wurden wir gegen 19.00 Uhr von
der Marina Polizei (Zwei wahre Bodyguards wie man sie sich vorstellt. In Schwarz, mit schwarzen Sonnenbrillen, im schwarzen Boot, unheimlich) darauf aufmerksam gemacht, dass wir hier nicht ankern
dürfen. Entweder wir kommen in den Hafen oder wir verschwinden. Dass wir hier schon seit 3 Tagen vor Anker liegen, der Zoll jeden Tag nachschauen kam und auch noch andere Boote geankert hatten,
interessierte die nicht die Bohne. Aber wir sagten ja und blieben wo wir sind. Am nächsten Morgen um 06.00 Uhr hiess es Anker hoch und los. Das Meer zeigte sich von seiner besten Seite (ha,
ha) - Spiegelglatt, kein Wind, aber mit einem dicken Nebelteppich zugedeckt. Da gingen doch komische Gedanken durch den Kopf und man erinnerte sich an einige gruselige Geschichten. Das hielt
an bis ca. 500 Meter vor der Einfahrt zur Bucht von Cascais (kurz vor Lissabon). Dort wurden wir mit strahlendem Sonnenschein empfangen. Jetzt liegen wir in der Bucht mit Blick auf die Altstadt,
eine herrlichen Kulisse. Am Montag geht’s in die Marina, Motorenöl wechseln, Boot putzen und wieder startklar machen für die erste grosse Überquerung. Wir haben uns entschlossen, wenn das Wetter
mitspielt, in ca. 2-3 Tagen direkt auf die Kanaren zu segeln und nicht über Madeira zu fahren. Das heisst, ca. 5 Tage und Nächte segeln, wir beten für leichte Winde, kleine Wellen und auch keinen
Nebel, einfach super Segelwetter!