3000 Meilen Pazifik zu den Marquesas
Veröffentlicht auf 8. Mai 2014
Start am 13. März 2014, 13.30 Uhr Galapagos, Isla Isabella.
Ankunft am 02. April 2014, 23.00 Uhr Marquesas, Fatu Hiver
Dauer 20 Tage mit guten Konditionen, aber immer ein kleines Prickeln im Bauch.
Wir hatten Glück, es gab keinen Sturm, keine langen Flauten, keine heftigen Regenfälle, keine Unfälle an Bord. Aber das wissen wir erst jetzt, nachdem alles vorüber ist. Unterwegs ist doch ab und zu mal der Adrenalin Spiegel etwas angestiegen, wenn grössere Wolkenbänke in Sicht waren oder der Wind auf 25 bis über 35 Knoten anstieg, man wusste ja nie was noch kommt. Wir haben jeweils 4 Stunden Wache gehalten, konnten aber Nachts doch immer mal wieder ein kleines Nickerchen zwischen durch einlegen können, denn der Schiffsverkehr auf dieser Route ist nicht sehr gross. Uns begegneten in diesen 20 Tagen gerade mal 3 grosse Schiffe und das auch noch in grosser Entfernung.
Die meiste Zeit konnten wir segeln und auch paar mal den Parasailor setzten. Aber es war doch schon eine harte Arbeit, denn es war keine Kaffeefahrt, wie man dass immer so erzählt. Abwechslung war angesagt und wir mussten sehr oft Tag und Nacht die Segel wechseln. Mal voll Tuch, dann 1 Reff und dann mal wieder 2 Reff usw. Die Langeweile hat uns in den ganzen Tagen nicht gequält. Fast jeden morgen musste erst mal das Deck von fliegenden Fischen und kleinen Kalamares gesäubert werden, die die Wellen an Bord gespült haben. Aber auch ein paar ruhige Tage waren dabei und so konnte Brot und Pizza gebacken werden.
Und – auch ein Wellness Tag konnte eingelegt werden. Peeling, Maske, Massage, für den Herrn. Ergänzend für die Dame Wimpern färben und Nägel lackieren. Damit wir mit den zurückgelegten Tagen auf dem Laufenden blieben, schnitten wir von einem Bandmass täglich einen Zentimeter ab. Ein kleiner Aufmarsch mit Gesang begleitetet diese bedeutende Zeremonie und schwupp konnte der abgeschnittene Tag als gute Erinnerung in eine kleine Box wandern.
Um 14.30 Uhr am 02. April 2014 50 Meilen voraus: „LAND IN SICHT“!!!!!!!!!!!!!!!! Da kommen schon mal Freudentränen auf. Die Emotionen steigern sich zum Höhepunkt. Fatu Hiva ist in Sicht und wir tanzen vor Freude den Ententanz! Bei völliger Dunkelheit fahren wir in die Bucht ein. 7 Boote zählen wir, da bleiben wir doch mal besser etwas auf Abstand und Ankern auf 35 Meter Wassertiefe. Auf der Überfahrt war „non Alcohol“ angesagt und da freute sich die Crew auf ein schönes kaltes Bier, es durften auch 2 sein!
"Willkommen im Paradies“ !
Das Marquesas Archipel besteht aus 14 Inseln und zahlreichen kleinen Eilanden. Davon sind aber nur 6 bewohnt und die Gesamtbevölkerung beträgt ca.9'200 Insulaner. Sie gehören zu Französisch Polynesien. Der ursprünglicher Name war Te Fenua Enata und bedeutet übersetzt „Die Erde der Männer“.
Am nächsten Morgen wurden wir von der Besatzung des Schweizer Bootes „Aquablue“ Jean und Marcel mit einer der riesigen, super süssen und einmaligen Pampelmusen aus den Marquesas begrüsst. Das war ein schönes Willkommen und kam gerade recht für das Frühstück mit Rosé Champagner/Grave Lachs.
Mittags treffen auch Vanupieds ein und die gelungenen Überfahrten werden am Abend bei uns an Bord mit der Besatzung von Aquablue Simone, Jean und Marcel, Vanupieds Claudia und Thierry angemessen gefeiert.
Die Inselbewohner begrüssen uns aufs herzlichste. Es ist ein sehr kleines Dorf, auf der ganzen Insel wohnen ca. 700 Leute und hier wird noch getauscht.
Denn Geld kann man nicht viel ausgeben! Und so tauschen auch wir was das Zeug hält. Bananen, Pampelmusen, Limonen, Mangos gegen, Angelhaken- und Schnur. Selbstverständlich Rum und Zigaretten. Duschgel, Lippenstift oder Haarspangen. Und für die Kinder Kugelschreiber, Bleistifte und was äusserst beliebt ist „Süsses“. Die Pampelmusen sind hier Kinderkopf gross und schmecken dermassen herrlich, Achtung Suchtgefahr!
Die Landschaft ist einmalig und atemberaubend. Der grösste Sport der Inselbewohner ist die Jagt auf die wilden Ziegen. Die dann äusserst schmackhaft in Cocosnussmilch oder auf dem Grill zubereitet werden. Wir kommen auch bald in den Genuss die Marquesische Küche kennenzulernen, eine Familie veranstaltet ein BBQ für alle Yachties. Das ist doch super nett und wird freudig aufgegriffen.
Die Wanderung zum Wasserfall mit angenehmen Bad im Süsswasser, durch die bezaubernde Inselwelt, ist zu empfehlen.
Weiter geht’s nach Hiva Oa. Eine grössere Insel mit guten Einkaufsmöglichkeiten. Hier machen wir eine Inselrundfahrt und sind wiederum begeistert von der Schönheit der Natur und der Freundlichkeit der Einwohner, die stets ein nettes Lächeln bereit haben. Wir besuchen das Grab von Jaques Brel, dem französische Chansonnier und von Paul Gauguin, dem französischen Maler.
Die nächste Insel ist Tahuata und wir ankern in der malerischen Bucht Hana Moe Noa vor einem weissen Sandstrand mit riesigen Kokospalmen, umsäumt von den schroffen Felsen der marquesischen Bergwelt.
Das Hightlight hier war, dass wir Hautnahe mit riesigen Mantas schnorcheln konnten. Die absolut in ihrem Element Nahrung aufnahmen, ohne uns zu beachten. Was ein Erlebnis, das gibt Gänsehaut!
Weiter geht’s in die nächste Bucht nach Hana Tefau. Das Dorf Hapatoni bereitet sich auf Ostern vor und die Einwohner veranstalten für die Passagiere des Kreuzfahrtschiffes Gauguin, dass 3 Mal im Jahr hier anlegt, einen kleinen Empfang mit Tanz und Gesang vor. Authentischer können wir so etwas nicht erleben, als in diesem kleinen Dorf. Der Gesang ist so inspirierend und die Tänze so anmutig, ein Ohren- und Augenschmauss!
Mit dem Dingi fahren wir in die Nachtbarbucht ins Dorf Vaitahu und besichtigen dort die Kirche mit ihren prächtigen Holzarbeiten aus dem hiesigen berühmten Rosenholz.
Die Herstellung von geschnitzten Kunstwaren aus Rosenholz ist für viele Bewohner eine Einnahmequelle und in jedem Dorf gibt es Künstler, bei denen man diese typischen Holzarbeiten erstehen kann. Z. B. Tikis, die stellen Ahnen- oder Götterfiguren dar. Sehr gefragt sind auch die individuellen Motive der Tattoo Künstler. Es wird tätowiert was das Zeug hält, ob Mann oder Frau, jeder Körper und jede freie Stelle ist willkommen.
Es geht wieder zurück nach Hiva Oa, diesmal in die Bucht von Manamenu. Hier gibt es einen kleinen Süsswasserteich und wir stürzen uns mit Freuden in das kühle klare Nass. Leider ist die Freude von kurzer Dauer, denn ein Überfall von Nonos (winzige kleine fiese Stechbiester) treibt uns schnellstens wieder zurück an Bord. Auch dort haben diese Viecher schon den Besitz übernommen. Die Entscheidung fällt in Sekundenschnelle, Anker hoch und nichts wie weg. Heidi sprüht Moskitospray in sämtlichen Kabinen was das Zeug hält. Denn die Stiche sind so heimtückisch und langanhaltend. Die Narben behält man fürs Leben.
Die nächste Insel ist Nuku Hiva, Taioha. Hier kann man endlich mal richtig ins Internet gehen. Ein kleines nettes Restaurant bietet „Free WIFI“ an und die Verbindung ist auch sehr gut. Endlich kann mal was nachgeschaut und auch einige e-mail abgesetzt werden. Hier gibt es auch einen kleinen Gemüsemarkt. Im Gegensatz zu Obst ist Gemüse auf den Marquesen eine seltene Angelegenheit. Nur sehr wenig kann und wird angebaut. Der Markt beginnt morgens um 05.00 Uhr und wer nicht pünktlich ist, bekommt um 06.00 Uhr schon nichts mehr. Es ist wie ein Kampf ums Überleben, dass muss man mal mitgemacht haben. Die Leute stürzen sich auf die wenige Ware, wie die „Ossis“ zu DDR-Zeiten.
Wir segeln weiter in die nächste Bay Taioa. Das ist ein Arm von der Daniels Bay. Die einmalige Bucht ist komplett eingeschlossen von hohen Bergen und es gibt eine Wanderung zum Drittgrössten Wasserfall der Welt. Da aber Mosquito und Nono Alarm angesagt ist, verzichten wir auf dieses Naturschauspiel und bleiben auf dem Boot.
Weiter auf die Nord Seite von Nuku Hiver in die Anaho Bay.
Ich weiss, ich weiss, es gibt immer super schöne Buchten. Auch diese ist wieder eine davon – ist beinahe schon langweilig denkt ihr. Nein, jede Bucht hat seinen eigenen Reiz und man entdeckt überall immer wieder Neues. Erzählt mit den wenigen Einwohnern, tauscht oder kauft Bananen, Pampelmusen. Mangos sammeln wir auf unseren Wanderungen selber. Was ein Hundeleben! Und auch diese Wanderung von 1 ½ Stunden über den Berg ins Nachbardorf Hatiheu war ein Erlebnis, an das wir uns noch lange erinnern werden. Bald geht es wieder zurück nach Taioha, um noch einige Sachen zu erledigen und einzukaufen in grösseren Mengen für die Toamotus unser nächstes Ziel. Weitere Bilder findet ihr im Fotoalbum "Marquesas Archipel April/Mai 2014".