Weiter auf die Kanaren
Veröffentlicht auf 12. September 2009
23. August 2009 heute geht es los zum ersten grossen Törn. Wir verlassen das europäische Festland und segeln zu den Kanaren. 586 Seemeilen liegen vor uns, d.h. ca. 4-5 Tage auf hoher See.
Sines, der letzte Ort in Portugal, wo wir 2 Tage geankert haben, soll um 10.00 Uhr verlassen werden. Doch wie schon öfters, Planung und Realität liegen weit auseinander. Alles war bestens vorbereitet und pünktlich hiess es: „Motoren an, Anker hoch“. Nicht 2 Minuten später sah alles anders aus. Um unsere Ankerkette, die langsam aus dem Wasser hochtauchte, hing komplett verknotet und verschlungen ein riesiger, rostiger, mit Seetang und Seilen umwickelter Fischeranker. Jetzt nur cool bleiben, was tun? Erst versuchten wir es mit dem Bootshaken, aber der war viel zu schwach um damit etwas auszurichten. Nach einigen Überlegungen war uns klar, diesem Ungetüm kam man nur vom Wasser aus an den Kragen. Also wurde das Beiboot wieder zu Wasser gelassen und Robert nahm die Befreiung des Ankers von dort aus in Angriff. Für die anderen Yachties drum herum, dass perfekte Frühstücksspektakel. Man machte es sich mit Kaffee und Brötchen im Cockpit bequem, hier bekommt man was geboten und das noch umsonst. Nach ca. ½ Stunde war der Anker endlich frei, Applaus von den Nachbarn und los ging es um 12.00 Uhr mittags.



2 Tage Motoren bei spiegelglatter See. Delfine führten ihre Kunststücke bis zur Perfektion vor, sogar mit Rückenschwimmen. Sie glitten wie Pfeile zwischen den Kufen hervor, schauten immer wieder aufs Boot, so als wollten sie sagen: „schaut nur zu, was wir alles drauf haben“. Und das immer in vierer Formationen. Am 3. Tag kam er dann endlich wie angekündigt, der Nordostwind Stärke 4. Parasailor hoch und jetzt begann ein Segeltörn, wie man es sich erträumt. Auf die Minute genau um 12.00 Uhr mittags, nach 4 Tagen und 4 Nächten erreichten wir Isla Graciosa, die erste der Kanareninsel; gegenüber von Lanzarote. 6 Kilometer lang, 3.5 Kilometer breit, keine Strassen, nur herrlich weisser Sand, kristallklares Wasser und 3 Vulkane zum schwimmen und wandern wie geschaffen.




Ein kleines Fischerdorf mit 600 Einwohnern und ein kleiner Hafen laden zum längeren verweilen ein. An der Nordspitze der Insel gibt es ein kleines Feriendorf mit pittoresken Bungalows, das ursprünglich von einigen Schweizern errichtet wurde.





Schnell haben wir mit anderen Seglern, die auch hier gestrandet sind, Kontakt. Man trifft sich zur Happy hour im kleinen Strandkaffee an der Hafenmole. Schnell ist ein Tisch mit 4, 6 oder noch mehr Leuten besetzt, der Kellner bringt ab dem 2. Tag die Sachen ohne Bestellungen; er weiss genau was jeder möchte. „Radio Ponton“ – darf man sich nicht entgehen lassen, denn hier wird täglich der neuste Klatsch und Tratsch ausgetauscht. Natürlich erfährt man auch hier immer Neuigkeiten und man weiß dadurch bestens Bescheid.

Endlich hat Robert mit Hilfe von Volker, einem deutschen Segler, der mit seiner holländischen Frau Marry schon einmal 7 Jahre die Welt umsegelt hat, unsere Entsalzungsanlage und den ICOM/Pactor zum Einsatz gebracht. Jetzt funktioniert alles bestens an Bord. Wir können unser eigenes Süsswasser erzeugen, ca. 30-35 l/Std. und haben direkt von Bord aus Kontakt durch Funk und e-Mail. Sehr wichtig für die Wetterprognosen und die Grip-Files auf längeren Überquerungen.
Nach einigen Tagen Hafenleben zog es uns aber wieder in eine Ankerbucht, wo wir schwimmen und schnorcheln wann immer wir wollen.
Am Sonntag 13.09.2009 geht es weiter nach Lanzarote, dort werden wir am 16.09. unseren ersten Besuch in Empfang nehmen. Olivier und Alain kommen für 10 Tage an Bord!