Begegnungen auf den Kanaren
Veröffentlicht auf 10. Oktober 2009
Lanzarote Puerto Calero – Ein Yachthafen der Luxus Klasse. Hier ist auch der spanische König Juan Carlos mit seiner Yacht stationiert, wenn er die Kanaren besucht. Der Deutsche Exbundeskanzler Kohl hat oberhalb, mit Sicht auf den Hafen, seine Ferienvilla und etliche andere Prominente aus Show und Film haben sich in dieser Idylle niedergelassen.
Auch für uns wird dieser Hafen in bester Erinnerung bleiben. Kaum haben wir festgemacht, kommen Matthias und Astrid, ein deutsches Paar, das wir in Isla Graciosa kennen gelernt haben, mit ihrem Kanarischen Fischerboot an uns vorbei gefahren. „Hallo, schön dass ihr gut angekommen seid, kommt ihr nachher zu uns aufs Boot? Wir bestellen Pizza und können ein bisschen Plaudern.“ Da sagen wir natürlich nicht nein. Matthias und Astrid haben auf Lanzarote seit ca. 8 Jahren eine Tauchschule, mit Nitrox und Trimix Tauchgängen und Ausbildung. Schon in Graciosa boten sie uns ihre Hilfe an, wenn wir nach Lanzarote kommen. Aber diese Hilfsbereitschaft, die wir jetzt erfahren durften, überstieg doch bei Weitem unsere Vorstellungen. Sie boten uns an, wenn wir irgendwo hin fahren müssen, können sie uns fahren oder noch besser meinte Astrid, „wir geben euch eines von unseren Autos, dann seid ihr flexibel und könnt eure Sachen erledigen wie ihr wollt.“ Nein, dass können wir so ohne eine Gegenleistung nicht annehmen. Aber unser Einwand wurde gar nicht ernst genommen und am nächsten Morgen stand ein Auto vor unserem Boot. Behaltet es solange ihr wollt, sagte Matthias und überreichte uns den Schlüssel. Am nächsten Tag organisierten sie einen Tauchgang nur für uns zwei. Und auch sonst gaben sie uns gute Tipps für alles Mögliche. Wir sind dankbar, dass wir das Glück hatten diese Beiden besonderen Menschen mit ihrem süssen Hund Nando kennen gelernt zu haben und werden diese Begegnung als eine der schönsten in Erinnerung behalten. Wie Matthias so schön sagte, die Welt ist klein und wir hoffen, dass wir die Drei irgendwann, irgendwo einmal bei uns an Bord begrüssen dürfen. Wenn ihr nach Lanzarote kommt und tauchen wollt, dann unbedingt nur mit Nautic Dive (siehe Link). Super Tauchlehrer, super Tauchlokal, super Tauchplätze – einfach rund herum professionell und sympathisch!
Das Auto hat uns viel erleichtert und so konnte Robert auch am 16. September bequem Olivier und Alain vom Flughafen abholen. Jetzt ging es weiter, ankern in schönen Buchten, segeln mit guten Winden und Hafenleben. Ein kleines Abenteuer bescherte uns die Insel Llobos, die zwischen Lanzarote und Fuerteventura liegt. Hier ankerten wir in der Bucht und fuhren mit dem Dingi durch eine kleine Laguna an Land, um den Vulkan zu besteigen. Schon vom Gipfel aus sahen wir, dass Ebbe angesagt war und die Laguna so gut wie im Trockenen lag. Schnell ging es wieder runter an den Strand, was aber doch einige Zeit in Anspruch nahm. Angekommen sahen wir, dass die Lagune von einem Riff umgeben war und dieses Riff jetzt völlig trocken lag, dass heisst da ist kein durchkommen mehr. Guter Rat teuer, die Dunkelheit setzte auch schon langsam ein und wir hatten nun wirklich keine Lust die Nacht am Strand zu verbringen. Einziger Ausweg, das Dingi musste über das Riff getragen werden. Da das Dingi mit Motor für uns vier viel zu schwer war, wurde erst mal der Motor demontiert. Nun wurde eine Passage gesucht, wo wir das Dingi am besten über das immerhin ca. 10 – 15 Meter breite Riff transportieren konnten. Schwer und langsam kamen wir auf den spitzen und glitschigen Steinen voran, aber nach einiger Zeit hatten wir dann endlich wieder Wasser unter dem Kiel. Der Motor wurde geholt, montiert und wir konnten wieder an Bord gehen. Auf diesen Schrecken gab’s erst mal einen ordenlichen Apéro!




Auf der Fahrt von Fuerteventura nach Gran Canaria hatten wir auch ein spezielles Erlebnis. Schon öfter haben wir unsere Angelleine (Marke Penn) losgelassen und versucht einen Fisch an „Bord“ zu ziehen. Leider ist das nicht so einfach. Heute jedoch, morgens 08.30 Uhr, hat Robert die Leine kaum im Wasser gehabt und schnapp, keiner wollte es glauben, hing schon ein Fisch an der Angel. Dem gefiel anscheinend unser Köder, ein kleiner Plastikpulpo (Krake) in Rot. Raus zogen wir einen ca. 90 cm langen Barrakuda. Whow! da war Aufregung an Bord. Alain erlegte das Tier und nahm ihn aus. Olivier fotografierte was das Zeug hält und Heidi bereitete abends eine schmackhafte Mahlzeit daraus.
Auf Gran Canaria war Inselrundfahrt mit dem Auto angesagt. Über Schmale Strassen ging es durch unwirkliche Felslandschaften hinauf in schwindelnde Höhen. Immer wieder liefen Vögel, ähnlich unseren Fasanen, vor dem Auto über die Strasse und man musste höllisch aufpassen, dass man diese „Kamikazehühner“ nicht tot fährt.




Weiter ging‘s nach Teneriffa, wo nach 10 erlebnisreichen Tagen Olivier und Alain im Hafen San Miguel von Bord gingen.
In La Laguna wohnt meine Cousine Sabine mit ihrem Mann Miguel und Sohn David. Bei ihrem Besuch bei uns auf dem Boot, haben wir abgemacht, dass uns die Drei am Wochenende nach La Gomera begleiten. Nach einer schönen ruhigen Überfahrt, liehen wir ein Auto und entdeckten die Insel, die sich total von den anderen Inseln unterscheidet. Noch sehr wild und viel weniger touristisch, bietet sie eine an Fantasie Film erinnernde Kulisse. Nach dem Abendessen in San Sabastian kamen wir noch in den Genuss einer spontanen Musiksession. Der Koch und zwei Andere Männer spielten Gitarre und sangen spanische Folklore. Mit der Zeit haben sich nach weitere Passanten dazu gesellt und es wurde ein unvergesslicher Musikgenuss, wie wir es nicht mehr kennen. Dass haben wir danach noch öfters gesehen, hier vergnügt man sich abends noch mit Musik im Freundeskreis. Von ganz Jung (ca. 5 Jahre) bis ins hohe Alter (nicht mehr schätzbar). Am nächsten Tag ging es mit dem Auto auf die andere Seite der Insel. Hier hatten wir die Gelegenheit an einer Prozession teilhaben zu können. Sehr stimmungsvoll, mit Essen der Gemeindemitglieder auf dem Dorfplatz und anschliessenden Tanz mit Livemusik, ein eindrückliches Erlebnis. Auch mit diesen 3 Familienmitgliedern, Sabine, Miguel und David, haben wir 2 wunderschöne Tage erlebt.





Als nächste Ziele sind La Palma und El Hierro angesagt. Damit haben wir dann alle 7 Kanarischen Hauptinseln einschliesslich Graciosa besucht. Es handelt sich um hohe Vulkaninseln auf der atlantischen Erdbebenfalte in der Nähe von Afrika und erklärt damit die abwechslungsreiche Landschaft. Die von Sandwüsten über üppige grüne Täler und Pinienwälder bis hin zum schneebedeckten Mount Teide auf Teneriffa mit seinen 3700 Metern alles zu bieten hat. Die Kanarischen Inseln sind ein Kontinent en miniature. Seit Kolumbus damit vor 500 Jahren begann, sind die Kanaren das Sprungbrett für eine Atlantiküberquerung in die Karibik. Eine bessere Route, als die von Kolumbus gewählte gibt es nicht, demzufolge sind die Häfen der Inseln von November bis Januar voller Yachten, die sich auf die Atlantiküberquerung vorbereiten. Auch wir tun das, nur wählen wir noch einen Zwischenstopp auf den Cap Verden und werden mit einem guten Wetterfenster ca. am 15. November dorthin starten.