Cross the Ocean- Impressionen einer Atlantiküberquerung!

Veröffentlicht auf 2. Dezember 2009

Wie es schon öfters mal passiert, war auch diesmal unsere Planung was die weitere Route angeht, hinfällig. Der geplante Besuch auf La Palma und Hierro wurde gestrichen. Denn neben uns im Hafen liegt Jayme mit seiner Opai, eine Bavaria 38. Jayme ist Brasilianer und seit einigen Jahren als Einhandsegler unterwegs. Jetzt will er mal wieder für eine Weile zurück nach Hause segeln. Er wohnt auf der kleinen Insel Itaparica im Bundesstaat Bahia mit der Hauptstadt Salvador. Wie es so ist, kommt man locker ins Gespräch und natürlich schwärmt er uns von seiner Heimat Brasilien vor. Dokumentiert durch anschauliches Bildmaterial. Und was er da so zeigt, macht uns die Entscheidung leicht- auf nach Brasilien! Hinzu kommt, dass wir beschliessen, gemeinsam die Überfahrt anzutreten. Jayme mit seiner Bavaria und wir mit unserer Nautitech. Am 18. Oktober 2009 um 07.30 Uhr heisst es Leinen los, Zwischenstopp auf den Cap Verden. 6 Tage und Nächte liegen vor uns. Der Wetterbericht sagt nur Gutes, das Boot ist vollgetankt und genügend Proviant ist auch an Bord.
Diese Überfahrt muss unter einem guten Stern stehen. Ruhige, glatte See, Wind zwischen 10-18 Knoten, das gefällt dem Captain und dem Smootje. Der Parasailor wird gesetzt und die Tage fliegen nur so dahin.

Ab und zu kommt mal eine Fregatte vorbei, um sich  auszuruhen. Für diese Vögel, die vollkommen entkräftet sind, ist das Boot eine willkommene Rettungsinsel. Wir füttern die Tiere mit Milch und Käse, hüllen sie in ein Handtuch zum aufwärmen und nach kurzer Zeit sind sie wieder startklar.Manchmal fühlt man sich auch wie im Schlaraffenland. Zwar fliegen einem hier keine gebratenen Tauben in den Mund, aber in der Nacht landen einige fliegende Fische an Deck, das ist eine willkommene Abwechslung im Speiseplan und es gibt am Mittag gegrillten Fisch- mhhh!


Die Kapverdischen Inseln, die Gruppe besteht aus 10 Inseln, ist eine vulkanische Inselgruppe vor Westafrika. Das Klima ist sehr trocken, die Landschaft kahl. In den letzten 20 Jahren gab es grosse Probleme mit der Trockenheit, es gibt Jahre ganz ohne Regen. Die Portugiesen entdeckten die Inseln im Jahr 1456. Damals waren sie unbewohnt und noch grün, daher der Name „verde“. Natürlich wurde auch entdeckt, dass die strategisch günstige Lage eine gute Basis für den Sklavenhandel bot und so wurden Sklaven, auch für die eigenen Plantagen aus Westafrika herangeschafft. Mitte des 18. Jahrhunderts war es aber durch mehrfache Dürreperioden, hervorgerufen durch die Abholzung der Wälder und Ziegenzüchtung, die den Bodenwuchs frassen, vorbei mit dem Wohlstand. Tausende der Inselbewohner starben im 18. und 19. Jahrhundert infolge dieser Dürre, und viele wanderten aus. Von Portugal kam keine Unterstützung und nach dem Zweiten Weltkrieg gründeten die Bewohner der Kapverden gemeinsam mit Guinea-Bissau, einer weitere portugiesischen Kolonie, eine Unabhängigkeitsbewegung. Nach 14 Jahren Guerillakrieg wurden die Inseln 1975 unabhängig und kämpfen darum, ihre Wirtschaft auf eine lebensfähige Grundlage zu stellen. Das Geld von den im Ausland lebenden Inselbewohner spielt eine wichtige Rolle, denn die Zahl ist genauso hoch wie die der noch auf den Inseln lebenden Bewohner.

Wir erreichen Sao Vicente, die Landesflagge der Cap Verden wird gehisst  und wir werden freundlich im Hafen von Mindelo empfangen.










Für viele Einheimische sind die vorbei fahrenden Yachten die einzige Einnahmequelle, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren und so bieten sie auch alle nur erdenklichen Dienstleistungen an. Zum Beispiel, das Schiff reinigen, Wäsche waschen, Diesel in Kanistern von der Tankstelle besorgen, einkaufen und, und, und. Wir entscheiden uns für Umberto und werden auf allen unseren Landgängen vor dem Hafen von ihm erwartet. Er gibt uns Tipps, wo man gut essen kann, wo man einkaufen sollte und seine Mutter erledigt für uns die Wäsche, zu einem vorher ausgehandelten Preis. Wenn man sehr zufrieden ist, so fragt Umberto, liegt da vielleicht noch ein kleines Geschenk drin? Ein Paar Schuhe für seine Mutter, sie hätte im Moment nur noch einen Schuh. Die Leute auf den Cap Verden sind zum Teil sehr arm, aber die Meisten sind glücklich mit dem was sie haben. Hungern müssen sie nicht, Fische, Obst und Gemüse gibt es genügend. Durch die Strassen zu ziehen und mit den Marktfrauen um Tomaten und Bananen zu feilschen oder auf dem Fischmarkt ein Kilo Thunfisch, das Kilo für 2 Euro zu kaufen, ist ein kunterbuntes und lautstarkes Erlebnis. Immer begleitet von musikalischer Untermalung, eine Mischung aus afrikanischen und portugischen Klängen.










Nachdem einige kleine Reparaturen am Boot erledigt sind und wir uns in einer der wenigen Hotelanlagen der Inseln richtig ausgeruht haben,


sind wir am Montag, den 02. November 2009 bereit für den grossen Sprung über den „Teich“. Für die rund 2000 Meilen, rechnen wir mit ca. 16-18 Tagen. Ein flaues Gefühl im Magen macht sich breit, etwas Herzflattern ist angesagt, mit einem Wort das grosse „Muffensausen“ hat eingesetzt. 10-mal und mehr werden die Wetterprognosen für die nächsten Tage angeschaut, die Grip Files der verschiedenen Wetterstationen verglichen. Mit Jayme die Route diskutiert und trotzdem ist man nicht ganz beruhigt. Die Natur ist noch immer unberechenbar und ein Teil bleibt immer ungewiss. Von den Kapverden nach Brasilien durchqueren wir verschieden Wetterzonen. Die frühen Entdecker, z.B. Kolumbus mit seinen Jungs hatte aus Mangel an Wetterkenntnis, auf dieser Strecke einige dramatische Erlebnisse. Fuhren sie zur falschen Jahreszeit, so konnten sie in eine tropische Depression kommen oder aber auch in eine tagelang anhaltende Flaute. Für diese Strecke gilt als beste Überquerungszeit Oktober bis Februar. Von den Kapverden startet man mit den Nordostpassatwinden. Dann kommt man in die Intertropikal Konvergenz Zone. Diese Zone liegt zwischen den Nordostpassat- und den Südostpassatwinden, wo die Hurrikans entstehen. Dann kommt ein Gebiet da sind sogenannte Squalls zu erwarten. Squalls sind plötzlich auftretende starke Regenfällen, mit mal mehr oder weniger Wind. Die zwar meistens nur kurz, aber dafür umso heftiger sind. Vorteil ist, dass diese Squalls schon von weitem zu erkennen sind und auch auf dem Radar gut verfolgt werden können. Damit ist man frühzeitig in der Lage sich auf die bevorstehende Situation gut vorzubereiten, z.B.  Segel reffen oder ganz anzuholen, Fenster schliessen etc. Kommt so ein Squall ohne Wind, ist es aber auch eine gute Gelegenheit das Duschgel zu holen und eine kleine Naturdusche mit Regenwasser zu nehmen. Kommt der Squall aber mit viel Wind, was uns am 4. Tag nachmittags mit 60 Knoten getroffen hat, so fängt man an zu beten, dass dieses Schauspiel schnell vorbei geht. Wir haben ca. 6 Stunden mit den Meter hohen Wellen, die sich in Sekunden aufbauen, die Farbe von riesigen Granitblöcken annehmen, gekämpft- um danach festzustellen, dass brauchen wir nicht nochmal! Bei der anschliessenden Überprüfung vom Boot, konnten wir Dutzende von daumengrossen Kalmaren einsammeln, die uns die Wellen an Deck gespült haben. Leider konnten wir diese Kalmare nicht in ein Essen umwandeln, da die Viecher sofort wenn sie tot sind, anfangen erbärmlich zu stinken. Ja, und leider ging es dann immer so weiter, da wo eigentlich die sogenannte „tote Zone“ ist, dass heisst, da wo normalerweise überhaupt kein Wind herrscht und man manchmal tagelang Motoren muss, hatten wir ca. 25 Knoten Wind und einen Squall nach dem Anderen. Endlich erreichten wir Breitengrad „0“, dieser Äquatorsprung wurde mit einer kleinen Bordparty gefeiert und den ersten Schluck Champagner bekam Neptun (Gott der Meere),
Aiolos (Gott des Windes) und nuwam2.
Dann erhielt auch die Besatzung endlich ihren wohlverdienten Schluck.


Normalerweise ist ja Alkoholverbot während den Überquerungen angesagt, aber eine solche Gelegenheit hat man ja nicht alle Tage. Aber leider ging es mit dem schlechten Wetter weiter, was nach dem Äquator eigentlich nicht mehr der Fall sein sollte. Das Meer war so aufgebaut und kappelig, dass wir uns teilweise fühlten als sitzen wir in einer Waschmaschine. Manchmal hatten wir auch den Eindruck einen wilden Mustang zu reiten, aber die Krönung war dann, sich so zu fühlen als sitze man in einer Waschmaschine und reitet ein wildes Mustang. Genug der schlechten Wettermeldungen, am 16. Tag waren wir morgens um 08.00 Uhr 30 Meilen vor der Brasilianischen Küste und erreichten dann am 17. Tag mittags endlich unser langersehntes Ziel „Salvador de Bahia“. Jayme ist einer der Präsidenten vom Yachtclub Salvador de Bahia und so hatten wir die Gelegenheit die erste Nacht in diesem 5 Sterne Yachtclub vor Anker zu gehen.











Alles in Allem gesehen, war es eine schwierige Überfahrt, aber auch hier hatten wir einige sehr positive und schöne Erlebnisse, z.B. verbrachte wieder einmal eine Möwe einige Stunden bei uns an Bord, von 20.00 Uhr abends bis morgens 06.00 Uhr sass sie, ohne sich von uns stören zu lassen auf dem Ruderstuhl. Von den akrobatischen Kunststücken der Delfine kannman nie genug bekommen und sie werden von uns immer freudig empfangen. Zweimal fingen wir einen Thunfisch, hier Bonitos genannt, die beide male köstlich schmeckten. Ab und zu sahen wir auch mal grössere Containerschiffe, die uns die neusten Wetterberichte über Funk mitteilten. Die Sonnenauf- und Untergänge begeisterten uns jeden Tag aufs Neue. Der Sternenhimmel war so spektakulär, dass man es nicht mit Worte beschreiben kann.




















In der Nähe der Brasilianischen Küste hatten wir auch immer wieder Begegnungen mit den Fischern, was Jayme eines Tages nicht gutes bescherte. Es ist kaum zu glauben, aber auf diesem riesigen Meer stiess er tatsächlich mit einem winzigen Fischerboot zusammen. Zum Glück entstand auf beiden Seiten kein grosser Schaden. Da wir auch diesmal nicht alleine waren und immer wieder über Funk mit Jayme Kontakt hatten, gingen diese 17 Tage/Nächte doch schnell und gut vorbei ohne das wir grössere Schäden am Boot haben. Jetzt ist erst mal relaxen mit genügend Caipirinhas angesagt und der Bericht darüber folgt in Kürze!         

Geschrieben von Heidi

Veröffentlicht in #Reiseberichte

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