Sprung auf den anderen Teich, Abenteuer Panama Kanal
Veröffentlicht auf 5. Januar 2014
Und wieder ist viel passiert, seit unserem letzten Bericht. Wieder auf den San Blas treffen wir auf alte Bekannte. Mit der Gesellschaft von Neville und Glennis von Alba, Roland und Joseline von Croix du Sud vergehen die Tage wie im Flug. Auch Claudia und Thierry sind wieder aus der Schweiz zurück. Sie haben uns eine neue Wetterstation und eine Harddisc mit neuen Filmen von unserem Freund Ralph aus Deutschland mitgebracht. Wir fahren nochmals für ein paar Tage nach Panama City und kaufen einen neuen Outborder Motor, 15PS Yamaha. Endlich ist Robert richtig happy und kann über die Wellen düsen. Wir feiern unseren 31. Hochzeitstag vor Yansaladup mit einem „Spontan Apéro“. Doch es sollte uns nicht zu gut gehen, am 30. Oktober um 8.15 Uhr morgens schlägt ein Blitz nicht weit von uns ein und die elektromagnetischen Wellen legen unseren Autopiloten lahm. So ein Sch…, dass hatten wir doch schon mal in Kuba, dass darf doch nicht wahr sein. Also heisst es schnellstens zurück und nach einer genauen Diagnose durch einen Elektronikspezialisten in der Panamarina steht fest, nicht der Autopilot, diesmal ist es der Plotter (Multifunktions Display) der dran glauben musste. Da wir uns sowie so für unser jährliches Hole out bereits in der Shelterbay Marina angemeldet hatten, konnten wir hier die notwendigen Bestellungen für den Ersatz treffen. Nach einigen vergeblichen Versuchen, den gleichen Multifunktions Display zu bekommen, wie wir ihn im Einsatz haben, mussten wir letztendlich doch das neue Modell installieren. Da sich die Hersteller dieser Geräte, in unserem Fall Raymarine anscheinend überlegen, wie sie ihre Kunden verärgern können, entwickeln sie jedes Jahr ein neues Gerät, dass dann auch nur mit grossen Problemen und erheblichen Kosten mit den alten Geräten kompatibel sind. Ihr Anliegen ist es anscheinend auch, nur keinen Support zu leisten und kompetente Auskunft zu geben, welche Geräte mit welchen einsatzfähig sind. Hier in Panama einen Fachmann zu finden, ist gleich NULL! Und auch bei Anfragen an den Kundendienst Raymarine stösst man auf Unwissenheit oder man bekommt gar keine Antwort. Aber Robert hat nicht locker gelassen und durch stundenlange Recherchen und Zeichnungen der gesamten Anlage hat er dann endlich eine Lösung gefunden. Auch können wir ein grosses DANKE an unsere Versicherung Murette sagen, die uns wieder unkompliziert unterstützt hat.
Trotz allem hatten wir auch eine schöne Zeit in der Shelterbay Marina. Jeden Tag fährt morgens und nachmittags ein kostenloser Shuttle zum Einkaufszentrum 4 Altos und wir können dort schon mal die notwendigen Einkäufe für das grosse „bunkern“ für die Pazifiküberquerung starten. Wir feiern Thanks Giving und Thierry’s Geburtstag mit guten Tapas.
Treffen neue nette und skurrile Leute. Alte Bekannte wie Walter und Jacky von der SY Jean Marie. Tümmeln uns jeden Tag im Swimming- und im Whirlpool und geniessen abends die Happy Hour in der Marina Bar.
Jetzt funktioniert wieder alles. Wir wechseln noch einmal die Batterien aus, die von Bahamas haben uns leider nicht so ganz überzeugt. Installieren noch einen Alternator zur Batterie (Sterling Power), um die Batterien besser laden zu können, ein neues Radio wird auch noch installiert und so können wir beruhigt den Panama Kanal in Angriff nehmen.
Es wird empfohlen einen Agenten für die Abwicklung der Papiere zu nehmen. Aber erstens sind die Agenten sehr teuer und zweitens ist es wirklich keine Hexerei die notwendigen Schritte selber zu unternehmen. Wir bestellen den Admeasurer (Vermesser), der aufs Boot kommt und die Papiere mit uns ausfüllt. Dann geht’s zur City Bank in Colon, wo wir die entsprechende Kanalgebühr bezahlen müssen. Für unser Boot sind es $ 1‘250.00 und $ 825.00 Kaution, falls wir den Kanal kaputt machen. Die Kaution bekommt man aber nach 2-3 Wochen wieder zurück, wenn kein Schaden entstanden ist. Danach legen wir einen Termin beim Transit scheduler fest. Bestellen noch bei Tito, einem Taxifahrer, die entsprechenden Fender (8 Stück) und Leinen (4 Stück, je 20 Meter lang) für insgesamt 80 Dollar. Tito wird die Sachen dann in Panama City, wenn wir angekommen sind wieder abholen. 1 Tag vor Abfahrt fahren wir noch nach Colon zum Port Capitain und erhalten unser Zarpe ( $ 15.00) für die Galapagos. Aber vorher durften wir schon mal die Durchfahrt mit Vanupieds „üben“. Am 23. Dezember 2013 hiess es für sie Leinen los und durch den Kanal. Beide Schleusen klappten bestens und wir kehrten beruhigt in die Shelterbay Marina zurück.
Am 28. Dezember 2013 traten wir unser Kanalabenteuer an
Es war ein kühner Plan, den Kaiser Karl V. im Jahr 1532 fasste: eine künstliche Wasserstraße zwischen atlantischem und pazifischem Ozean. Damit hätte er die Kontrolle über Zentralamerika und vor allem leichten Zugang zu den Reichtümern des sagenumwobenen Perlen- und Goldlands, das Abenteurer und Glücksritter aus ganz Europa magisch anzog. Doch es dauerte noch vierhundert Jahre, bis das Mammutprojekt in die Tat umgesetzt werden konnte. Denn der wilde, von dichtem Regenwald überwucherte und von geheimnisvollen Völkern bewohnte Landstrich forderte einen hohen Tribut. Tausende Menschen ließen beim Bau des Panamakanals ihr Leben, bis ihn schließlich am 15. August 1914 das erste Schiff durchqueren konnte. Dieses Jahr besteht der Panama Kanal seit 100 Jahren.
Sowohl an der atlantischen Einfahrt bei Cristóbal als auch bei der pazifischen Einfahrt in Balboa warten Schiffe auf grünes Licht und begeben sich auf eine Kanalreise von rund acht bis zehn Stunden. Vom warmen Wasser der Karibik zu den weißen Stränden der Pazifikküste. Kleine Schiffe machen die Strecke normalerweise in 2 Tagen, mit einer Übernachtung auf dem Gatun See.
Bei kleineren Schiffen muss zumindest ein, bei größeren Schiffen müssen bis zu vier Kanallotsen das Schiff begleiten. Die Lotsen stehen während der Fahrt im ständigen Kontakt mit dem vollcomputerisierten Marin Traffic Control Center. Dieses Kontrollzentrum überwacht den gesamten Schiffsverkehr im und vor dem Kanal. Zusätzlich braucht man noch 4 Linehandler an Deck, die das Schiff mit den Schleppern bei kleinen Schiffen oder vor der Einfahrt in die Schleuse mit langsseits fahrenden Lokomotiven vertäut.
Zwischen den Miraflores-Schleusen und der Schleuse Pedro Miguel durchquert man den kleinen Miraflores-See, zwischen dem Gaillard Cut und den Gatún-Schleusen erstreckt sich der Gatun See. Da das gesamte Gebiet im Zuge des Kanalbaus geflutet wurde, waren die heutigen üppig-grünen Inseln im Gatún-See einst nichts anderes als Hügelspitzen.
Wenn man beim Durchqueren des Kanals bedenkt, dass dies alles vor hundert Jahren gebaut wurde, kann man schon ins Staunen kommen. Heute passieren riesengroße Transport-Schiffe den Kanal, die sich die Erbauer wohl auch in ihren wildesten Träumen nicht vorgestellt haben. Und der neue Kanal, der im Moment im Bau ist, soll die 3-fache Kapazität von Schiffen aufnehmen.
Unsere Linehandler waren Peter (war auch schon bei Vanupieds dabei), ein Schweizer Einhandsegler vom Catamaran Ashana und Daniel mit seiner Frau Joelle, ein franz. Ehepaar von der SY Ocean Respect. Ziemlich pünklich zur vereinbarten Zeit, um 15.45 Uhr kam unser Adviser an Bord. Wir sollten zusammen mit einer amerikanischen Segelyacht im Päckchen den Kanal durchqueren. Es herrschte ein starker Verkehr und unsere Einfahrt wurde immer wieder verschoben. Mit einbrechender Dunkelheit ca. um 18.00 Uhr war es dann aber doch soweit und wir fuhren in die erste Schleuse der Gatun Locks.
Alles verlief reibungslos, bis im nächsten Lock der Skipper vom amerikanischen Boot seiner Tochter (an die 20 Jahre alt) das Steuer übergab und schwupps steuerte sie auch schon die rechte Schleusenwand an. Dank der Aufmerksamkeit der anderen Besatzungsmitglieder und lauter Rufe konnte das Schiff wieder unbeschädigt in die Mitte des Kanals gesteuert werden. Gegen 20.00 Uhr war die erste Durchfahrt gemeistert und wir machen auf dem Gatun See an einer Boje für die Nacht fest.
Noch ein schneller Schlummertrunk und Nachtessen ging‘s todmüde in die Koje für eine kurze Nacht, denn am nächsten Tag sollte es um 6.30 Uhr weiter gehen. Endlich um 08.00 Uhr kam dann auch mal langsam unser neuer Adviser Ricky an Bord. Nach 6 Stunden Gatun See Überquerung, mit viel Informationen über Krokodile und anderes Kuriosen über den Stausee von Ricky, erreichten wir die Miraflores Schleusen.
Diesmal sollten wir im 3-er Pack durch die Schleusen fahren. Ein grosses Motorboot an der Schleusenwand, dann wir mit unserer Steuerbordseite anlegen am Motorboot und dann sollte das amerikanische Segelboot auf unserer Backbordseite anlegen. In der Schleuse herrschte starker Wind und starke Strömung, die noch durch die Einfahrt eines enormen Tankers hinter uns, verstärkt wurde. Unser Anlagemanöver klappte wieder bestens, dank des guten Steuermannes Robert und der gut eingespielten Crew. Nun war es soweit, dass der Amerikaner anlegen sollte. Anscheinend immer noch vom Pioniergeist besessen, gab der Skipper wieder einmal das Boot in die Hände seiner unerfahrenen Tochter, um das Anlegemanöver zu fahren. Diese steuerte mit einem Affentempo in die Schleuse und mit dem Bug auf uns zu, als wollte sie uns aufspiessen. Das war zum Scheitern verurteilt. Der Skipper stand vorne auf dem Boot und wusste plötzlich nicht mehr, was er für Befehle geben sollte, um dass ganze noch in die richtigen Bahnen zu lenken. Wir bekamen die vordere Anlegeleine zu fassen und machten fest. Keine Chance das Schiff mit dem Heck anzulegen, da sich jetzt die Unerfahrenheit der Steuerfrau erst so richtig bemerkbar machte. Schon stellte sich das Schiff quer in den Kanal und driftete längsseits auf die Schleusentore zu. Nur die geistesgegenwärtige Reaktion von Daniel, unserem Linehandler, der sofort die Leine vom Bug freimachte, verhinderte grösseren Schaden. Nach einigen Hin und Her konnte der Amerikaner dann an der anderen Schleusenwand festmachen und die Flutung konnte beginnen. Der Schreck hat aber jeden mächtig zugesetzt. Alle anderen Worte sind hier überflüssig und der Rest ist dann auch gut verlaufen.
Wir haben es gepackt und sind jetzt im Pazifik! In Las Brisas, Panama City gingen wir vor Anker und feierten mit der Crew und Vanupieds mit viel Champagner die gute Durchfahrt.
Am 31. Januar 2013 segelten wir mit einem fantastischen Wind auf die Las Perlas und feierten hier das neue Jahr 2014, dass uns sicher wieder viele neue Erlebnisse bringen wird.
Erste Eindrücke aus den Las Perlas, die völlig anders als die San Blas sind. Und auch an die 4-5 Meter Gezeitenunterschiede müssen wir uns wieder gewöhnen.
Leguaneier>
Kampfhähne
So ein Gummmiboot ist doch immer interessant!
Rio Cacique